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Akustische Wortmalerei meets Frühstück bei Tiffany – Die Nacht der Akustik an der Uni Kiel

Haben Sie schon einmal Wortmaler mit Tönen gespielt? Eine ziemliche Herausforderung, aber auch eine sehr unterhaltsame und faszinierende Spielerfahrung, wie ich am 8. März 2017 auf der ersten Nacht der Akustik an der Uni Kiel erlebe. hier weiterlesen

Aus Tönen werden Worte

Malt man den Verlauf von Tonhöhen- und tiefen auf, entstehen Buchstaben und in der Abfolge sogar ganze Worte! Dabei lässt sich beispielsweise ein kurzer, abgehackter, niesartiger Ton als senkrechter Strich verschriftlichen, ein gleichbleibender langgezogener Ton als horizontaler Strich. Ein „Nieser“, gefolgt von einem „Sinus“ und wieder einem „Nieser“ ergeben aufgemalt daher den Buchstaben „H“. Im weiteren Verlauf des Spiels kristallisiert sich unter Anderem das Wort „HALLO“ heraus. Wer die Worte richtig errät, kann bei einer Verlosung echte Schallplatten aus Schokolade gewinnen! Die Wort-Auflösungen werden mit den entsprechenden Toneinspielern zusammen vom „Project Lighthouse““ auf das Universitätshochhaus gebracht. Das Publikum vor den Türen des Audimax kann seinen Ohren und Augen kaum trauen. Was sie sehen und hören, ist wirklich außergewöhnlich!

Nacht der Akustik
Nacht der Akustik an der Uni Kiel (zum Vergrößern klicken)Foto: M. Mika, Uni Kiel

Wie man auf so eine Idee kommt?

Indem man Forschung auf unterhaltsame und leicht verständliche Weise einem breitem Publikum zugängig machen möchte. Die Nacht der Akustik ist ein Kooperationsprojekt zwischen der Uni Kiel, dem Forschungsprojekt „Kiel Science Outreach Campus“ (KiSOC) und dem Lehrstuhl „Digitale Signalverarbeitung und Systemtheorie“. Elf renommierte Teilnehmende der Jahrestagung für Akustik (DAGA) machen heute in ihren Kurzvorträgen exzellente Forschungen praxisnah erlebbar.

Im Hörsaal D erklärt Janina Fels zum Beispiel, wie selektives Hören funktioniert. Anhand einer Szene aus dem amerikanischen Filmklassiker „Frühstück bei Tiffany“ erläutert sie den sogenannten „Cocktailparty-Effekt“. Trotz vieler Störgeräusche im Raum ist es dabei dennoch möglich, dass sich zwei Personen voll und ganz auf ihr Gespräch konzentrieren können. Ein gesunder Gehörsinn ist nämlich in der Lage, bei Anwesenheit mehrerer Schallquellen die Schallanteile einer bestimmten Schallquelle aus dem Gemisch des Störschalls zu extrahieren. Die Schallquelle, auf die sich die Personen konzentrieren, wird dann zwei- bis dreimal lauter wahrgenommen als die Umgebungsgeräusche. Man hört also wirklich nur das, was man hören will!

Vortrag während der Nacht der Akustik
Vortrag während der Nacht der Akustik (zum Vergrößern klicken)Foto: M. Mika, Uni Kiel

Wie Sprechmelodien Verhaltensweisen beeinflussen

Über Sprechmelodien lassen sich wiederum gezielt Einstellungen vermitteln und Verhaltensweisen beeinflussen. Oliver Niebuhr erklärt dies im Frederik-Paulsen-Hörsaal: Steigt die Stimme zum Ende eines Satzes an, signalisiert man dem Gegenüber, dass dieser die Antwort frei bestimmen kann. Das ist bei den meisten „W-Fragen“ tatsächlich der Fall – die kuriose Ausnahme bildet allerdings die Frage beim Heiratsantrag: Hier wird merkwürdigerweise die Stimme zum Ende gesenkt – was wiederum signalisiert, dass es keinen Raum für Diskussionen gibt, sondern nur eine korrekte Antwort. „Persuasive Communication“ at its best und schallendes Gelächter im Saal! Derzeit entwickelt Oliver Niebuhr mit seinem Team eine App für Smartphones, die Sprechmelodien analysiert und Charisma misst. Dabei kann man Vorträge einsprechen und erhält konkretes digitales Feedback darüber, an welchen Stellen man die Intonation angleichen soll, um besonders überzeugend zu wirken. Das wird zukünftig sicherlich nicht nur dem einen oder anderen Vortragenden helfen, sondern auch vielen zwischenmenschlichen Missverständnissen vorbeugen. Wir sind gespannt!
 

Präsentation während der Nacht der Akustik
Präsentation während der Nacht der AkustikFoto: M. Mika, Uni Kiel


In diesem Sinne: Hören Sie das nächste Mal nicht nur „selektiv“, sondern achten Sie auch mal auf die feinen Zwischentöne. Es lohnt sich bestimmt!

Herzliche Grüße aus der Uni Kiel

Unterschrift M. Mika

Ihre Mareike Mika M.A. 
Alumni-Management
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU)